Linz09 und das inoffizielle Web 2.0

Posted by andrea
2. Januar 2009 - 19:22

Neuer Text, ich war offenbar zu voreilig ;-) oder das Web zu schnell ...

Im November habe ich mich ja mal in einem Blogbeitrag gefragt, warum Linz 09 Kulturhauptstadt Europas aufs Web 2.0 faktisch verzichtet. Auch wenn es so scheinen mag (und ich das selbst geglaubt habe) hat sich diesbezüglich nicht viel Neues getan. Auf der 09-Website gibt es noch immer keine Diskussionsmöglichkeit.

Inoffiziell bewegt sich aber einiges:

linznullneun auf Twitter weist auf flickr-Fotos der Eröffnung hin, sie schreiben, dass sie nicht offiziell sind, aber auch aktiv sind auf myspace und youtube. Die flickr-Fotos sind leider "all rights reserved" :-( Auf flickr gibt es auch eine Linz09-Gruppe.

Auf facebook gibt es eine Linz09 Gruppe, die mir allerdings etwas verlassen vorkommt. Den Twitter-Account linz09 hat Christian Henner-Fehr reserviert, ich bin gespannt, was er damit machen wird.

Wer gerne alternative Informationen via Twitter zum Kulturhauptstadt-Projekt hätte, dem/der empfehle ich linz0nein und linz09_ECOC zu folgen. Twitter? Wer wissen mag, was das ist, sollte sich das nette Video vom Elektrischen Reporter anschauen.

10% mehr Kulturförderung in Linz bei Lizensierung als Creative Commons

Posted by andrea
25. Dezember 2008 - 14:51


Foto: creativecommons

Passend zu Weihnachten habe ich heute eine freudige Entdeckung via Freie Netze. Freies Wissen gemacht: Die Stadt Linz fördert ab 2009 Kunst- und Kulturprojekte, die unter einer freien Lizenz (wie z.B. Creative Commons) lizensiert werden, mit einem erhöhten Beitrag von 10%. Details sind bei Linz Kultur abrufbar. Bedingung ist, dass der/die KünstlerIn seine/ihre Arbeiten nicht bei einer Verwertungsgesellschaft (AKM, Austro Mechana, ...) verwertet.

Das ist für mich wirklich eine zeitgemässe Antwort auf die Frage, wie Kulturschaffende Einkommen generieren können, von künstlerischer Tätigkeit leben können, in einem sich verändernden Umfeld. Diese Frage wurde z.B. unlängst im Kulturmanagement-Blog diskutiert. Dass Kulturförderung hier steuernd eingreift, ist ein mutiger Schritt in die richtige Richtung, wenngleich sicherlich noch nicht die Antwort auf alle Fragen.

Konkret ist mir auch nach Studium der neuen Förderrichtlinien unklar, wie durch ein transparentes Förderverfahren sichergestellt werden kann, dass die 10% für Creative Commons nicht nur formal bestehen und die Förderung für Creative Commons NutzerInnen wirklich 10% höher wird. Gerade bei der Kulturförderung der Stadt Linz stellt sich diese Frage, weil die Töpfe für Freie Szene und zeitgenössiche Kunst in allen Sparten seit Jahren notorisch unterdotiert sind. Woher soll die Mehrförderung kommen, wenn das zur Verfügung stehende Geld nicht mehr wird? Gilt diese Förderung auch für Sonderförderprogramme wie "Linz Impuls", "Linz Export" oder "Stadt der Kulturen"? Wie wird das bei KünstlerInnenkollektiven und Vereinen gehandhabt?

Nunja, manches wird die Praxis zeigen. Jedenfalls ist Linz Kultur bei der Handhabung zu beobachten, damit der hier bekundete Wille zur vermehrten Förderung frei lizensierter (Kunst-)Produkte auch in die Realitität umgesetzt wird. Ich werde jedenfalls allen empfehlen, diese Mehr-Förderungsmöglichkeit zahlreich zu nutzen, z.B. beim im Jänner wieder stattfindenden Seminar Trainingslager Förderung in Kunst und Kultur.

Frohe Weihnachten!

Posted by andrea
22. Dezember 2008 - 21:28

Ich wünsche allen meinen Blog-LeserInnen frohe Weihnachten. Das möchte ich mit obenstehendem Bild einer Weihnachtskrippe in Lego tun, wieder ein Meisterwerk von udronotto, von dem ich schon vor einiger Zeit "Das letzte Abendmahl" in Lego vorgestellt habe. Ich mag solche ungewöhnlichen Krippen-Adaptionen, weil sie für mich viel besser den eigentlichen Inhalt von Weihnachten zum Ausdruck bringen als die oftmals kitschigen, jedenfalls sehr eurozentristischen Krippen, die sich landauf-landab überall finden. Warum keine Palmen und Dinosaurier wie hier? Warum nicht herkömmliche Wahrnehmungen dekonstruieren und so zum Nachdenken anregen?

Und: Lego erinnert mich einfach auch durchaus an meine Kindheit: ich habe da noch eine Szene im Kopf, wie ich den neuen Lego-Zug rund um den Christbaum herum das erste Mal aufgebaut habe. Soviel kitschiges Zurückerinnern sei mir gestattet.

Zuhause habe ich jetzt eine Weihnachtskrippe, die von einem Sozialprojekt in Südafrika hergestellt wurde. Die Figuren sind schwarz, die "Hütte" ist aus Bambus. Das passt super unter einen durchaus traditionellen Christbaum. So wird das Universale der christlichen Botschaft für mich deutlich: Gott ist geboren worden für alle Menschen, Gott geht mit mit allen Menschen. Alle Menschen haben guten Grund zur Hoffnung, dass nicht alles so bleiben muss, wie es ist.

Smash we can - gegen die NATO-Sicherheitskonferenz

Posted by andrea
20. Dezember 2008 - 19:44

Ein wirklich gut gemachtes Video auf YouTube mobilisiert für die Demonstration gegen die NATO-Sicherheitskonferenz am 7.Februar 2009 in München (via Sofias).
Im Aufruf des vielfältigen und sicher noch anwachsenden Aktionsbündnisses heisst es:

Sie reden von 'Sicherheit', doch ihre Politik bedeutet Krieg, Folter und Militarisierung: Auch im 60. Jahr des Bestehens der Nato treffen sich in München wie jedes Jahr hochrangige MilitärstrategInnen und RegierungsvertreterInnen der EU- und NATO-Staaten mit RüstungslobbyistInnen zur sogenannten "Sicherheitskonferenz". Abgeschirmt durch Absperrgitter, Wasserwerfer und Polizeihundertschaften kommen sie im Münchner Nobelhotel Bayrischer Hof zusammen, um globale Militärstrategien, Kriegseinsätze und Rüstungsgeschäfte abzusprechen.
Dem stellen wir uns mit vielfältigem und kreativem Protest und Widerstand entgegen!
Die Proteste gegen die Münchner Sicherheitskonferenz 2009 sind gleichzeitig der Auftakt für die internationale Mobilisierung gegen die NATO-Propaganda-Show am 4. April in Straßburg.

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Weitere Informationen finden sich unter http://sicherheitskonferenz.de/

Radio SpaceFemFM in memoriam der Linzer Künstlerin und Architektin Gabriele Heidecker

Posted by andrea
19. Dezember 2008 - 0:22

Am Freitag, 19. Dezember 2008 wird von 19:00 - 20:00 Uhr wird die vom Frauenradio SpaceFemFM produzierte Radiosendung in memoriam Gabriele Heidecker erstmals auf Radio FRO ausgestraht. Wiederholt wird diese Sendung am Samstag, 20.Dezember 2008 von 11:00 - 12:00 Uhr.
Aus der Sendungsbeschreibung:

Gabriele Heidecker wurde 1961 in Linz geboren. Sie ist Mutter von 3 Töchtern - Magdalena, Luise und Lilith.
13 Jahre arbeitete sie als Vermessungstechnikerin, studierte dann - in den 90er Jahren - an der Kunstuniversität Linz Architektur. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stand der Raum – im besonderen der öffentlich Raum – als kulturelle Konfiguration sozialer Beziehungen.
Schwerpunkte waren Beratung, Konzeption und Vermittlung bezüglich Architektur und öffentlichem Raum. Gabriele Heidecker realisierte zahlreiche Projekte von public arts und Kuratorinnentätigkeit bis hin zu Bauvorhaben, Architekturkonzepten und –vermittlung.
Ihr Lebensweg war gekennzeichnet durch stetiges Engagement für kultur- und frauenpolitische Themen. Sie war eingebettet in vielen Arbeitsgemeinschaften zb: 1999 – 2004 Arbeitsgemeinschaft mit Veronika Müller unter dem Titel room²move.
2003 Gründungsmitglied der Architekturreisegruppe 4fff - vier-frauen-fahren-fort mit Veronika Müller, Edith Karl und Uli Matscheko-Altmüller.
seit 2004 Arbeitsgemeinschaft mit der Schauspielerin und Regisseurin Beate Göbel.
ab 2003 Vorsitzende des Vereins FIFTITU% - Vernetzungsstelle für Frauen in Kunst und Kultur in Oberösterreich.
und und und ....
Gabriele Heidecker verstarb im April 2008 mit 47 Jahren.

Die Sendungsgestalterinnen Michaela Schoissengeier und Helga Schager haben zahlreiche Wegbegleiterinnen von Gabriele interviewt. Ich denke, dass das, genauso wie der unlängst an Gabriele posthum verliehene Kunstwürdigungspreis der Stadt Linz, ein schönes Zeichen ist. Danke, Michi und Helga!

Alle, die zum genannten Zeitpunkt keine Zeit zum Radiohören haben, können die Sendung auf der CBA bei Radio FRO downloaden.

36 Ortstafeln "Linz" in Chinesisch, Singhalesisch, Griechisch, Armenisch, Laotisch, ...

Posted by andrea
18. Dezember 2008 - 13:01

Ab heute gibt es an 36 Linzer Einfahrtsstrassen neue Ortstafeln. Diese zeigen das Wort in Linz in anderen Sprachen und in anderen Schriftsystemen. Social Impact will damit im Rahmen des Projekts kommen und gehen einen Überraschungseffekt erzeugen und "die Vielfalt und Pluralität aller in Linz wohnhaften Menschen sichtbar" machen. Es geht darum gedachte und gezogene Grenzen zu hinterfragen. Das Projekt wird heute um 15.00 Uhr an der Donau Bundesstraße B129 vor der Klause Adelgunde ("Burschenschaftsturm") eröffnet. Weitere Aktionen sind angekündigt.

Ich denke, dieses Projekt ist eine nette Idee, aber so ganz bin ich mir nicht sicher, ob damit der politische Anspruch von Social Impact wirklich vermittelt werden kann. Aber vielleicht findet sich ja jemand, der sich über die Ortstafeln aufregt und in einer öffentlichen Debatte könnte diese Aktion dann schon etwas bewirken.

"kommen und gehen" ist ein Projekt von Linz Kulturhauptstadt Europas 2009. Bezeichnend finde ich, dass ich heute nicht nur die Information über dieses Projekt, sondern auch einen offiziellen 09-Newsletter erhalten habe. In diesem Newsletter ist "kommen und gehen" mit keinem Wort erwähnt. Offenbar gibt es nicht nur ganz wenige Projekte aus der freien Kulturszene vor Ort, sondern diese finden auch nicht einmal Eingang in die offizielle Werbestrategie. Ist das doppelbödig (Projekte fördern, aber dann verschweigen) oder Unkoordiniertheit im 09-Team?

Prekäre Arbeit im Kulturbereich in Linz ist nun wirklich nichts Neues

Posted by andrea
15. Dezember 2008 - 21:42


Foto: tschörda

Die Medien fallen derzeit aus allen Wolken, dass es, wie vor ein paar Tagen berichtet, im Linzer AEC prekäre Arbeitsverhältnisse gibt und darum arbeitsrechtliche Klagen von MitarbeiterInnen laufen. Die Gebietskrankenkasse hat festgestellt, dass MitarbeiterInnen angestellt werden müssten. Statt bisher zwei Millionen Euro braucht das AEC nun von der Stadt Linz pro Jahr 4,8 Millionen Euro (OÖN).
Mich wundert es schon, dass hier so getan wird, als ob das alles ganz neu wäre und bisher nicht bekannt. Nicht nur im informellen Kontext der Linzer Kulturszene sind diese untragbaren Zustände seit langem Thema, es gab Veranstaltungen, Projekte und Publikationen dazu. Offenbar wurden diese von den Mainstream-Medien und den zuständigen (Kultur-)PolitikerInnen bisher einfach ignoriert. Denn die Fakten sprechen durchaus dafür, dass Linz nicht so sehr die "soziale Musterstadt" ist, wie sie sich gerne präsentiert - und das gerade dort, wo StadtpolitikerInnen direkten Einfluss haben und sich nicht auf die unsoziale Wirtschaft herausreden können.

Hier nun eine (sicherlich nicht vollständige) Dokumentation, was sich bisher zum Thema prekäre Arbeit im Kulturbereich in Linz getan hat:

Umverteilung im Grossen wie im Kleinen

Posted by andrea
14. Dezember 2008 - 14:15

Die neue KUPF-Zeitung wird wohl diese Woche im Postkasten landen, darum hier mein Beitrag daraus.

Im Internet habe ich ein Video eindeckt, das das gute alte Gesellschaftsspiel „Monopoly“ neu definiert: Bei „Bankenkrise“ (abrufbar unter http://archiv.andreame.at/bankenkrise) lernen wir, dass Geld schnell verzockt ist, aber damit kein Risiko verbunden ist, weil der/die SpielerIn sowieso bald wieder am „Staatfeld“ landet und damit das Geld zurückbekommt. Konklusio: Das Geld kommt von den Eltern der kleinen SpielerInnen, es sind Steuergelder.
So ist es auch im realen Leben: Auf 2.000.000.000.000 $ wird der Finanzbedarf amerikanischer und europäischer Banken geschätzt. Allein Österreich hat ein 100 Milliarden Euro Hilfspaket für die Banken geschnürt. Die ZockerInnen an der Börse gehen ungestraft vondannen, die Zeche der undurchsichtigen Finanzwirtschaft zahlen wir alle. Das ist Umverteilung von unten nach oben.

Umverteilung in Richtung der Banken passiert auch woanders: Kulturinitiativen oder andere Non-Profit-Organisationen erhalten für ihre Tätigkeit öffentliche Förderungen. Immer mehr reisst in den letzten Jahren dabei ein, dass diese Förderungen verspätet oder manchmal sogar erst nach Abschluss eines Projekts ausbezahlt werden. Gerade kleinere Organisationen sind mit dieser Praxis gezwungen, akute Finanzlücken über Banken zwischenzufinanzieren. Da kann schon mal ein erkleckliches Sümmchen zusammenkommen, das der Kultur oder anderen Non-Profit-Organisationen dann fehlt. Finanzierungskosten sind übrigens nicht förderbare Kosten, die Organisation muss selbst schauen, woher sonst sie das Geld für die Kreditzinsen bekommt – bei nicht-kommerziell ausgerichteten Aktivitäten oft nicht einfach. Budgetsperren in öffentlichen Haushalten und fehlende praktikable Verfahrensstandards in Förderverfahren sind verantwortlich für diese Situation. Die Spielregel in diesem kleinen Monopoly wird dann so definiert: Nimm das Geld von den Kleinen, die sowieso schon wenig haben. Das ist Umverteilung im Kleinen.

Nun wird uns eine ökonomische Rezension prognostiziert, und ich möchte wetten, dass diese dafür sorgen wird, dass diese die Schere zwischen Reich und Arm noch weiter auseinandertreibt – anstatt Anlass zu sein, die Verteilung von Reichtum und Armut komplett neu zu überdenken. Es ist zu befürchten, dass durch die Rezension die öffentliche Hand weniger Geld hat und dass sich damit der Staat auch im Rahmen der öffentlichen Aufgabe Kultur noch zurückhaltender zeigen wird, als er es jetzt ohnehin schon tut – gerade bei den Kleinen. Beliebt ist in solchen Zeiten dann der Verweis der Kultur auf den Markt oder aufs Sponsoring. Da beisst sich aber die Katze in den Schwanz: Wenn es auch Privatpersonen und kleinen Unternehmen nicht gut geht, werden sie kein Geld in nicht unmittelbar rentables Kunst- und Kultursponsoring stecken.
Erneut gilt es, die gesellschaftliche Relevanz von kritischer Kunst, von gesellschaftlich sich verantwortender Kulturarbeit auf die Agenda zu setzen. Die Zeiten werden nicht leichter. Einzufordern ist Umverteilung in die richtige Richtung: von Reich zu Arm, von Rüstungsausgaben und Strassenbau zu Soziales, Ökologie und Kultur, von den Großen zu den Kleinen. Im gesellschaftlichen Monopoly braucht es dringend eine Gerechtigkeitskarte, die dafür sorgt, dass die Karten neu gemischt werden und Chancen gleich verteilt werden. Die Gerechtigkeitskarte wird nicht einfach so im Monopoly auftauchen, sondern es kommt auf uns an, diese zu schaffen. Kunst und Kultur leistet beim Neudesign des gesellschaftlichen Spiels einen wesentlichen Beitrag!

Unabhängige Informationen aus Griechenland

Posted by andrea
13. Dezember 2008 - 16:26

Durch einen Tweet von harleqin bin ich auf einen Blog aufmerksam geworden, der unabhängig über die aktuelle Situation in Griechenland berichtet. Alexis Grigoropoulos wurde am 06.12.2008 von der griechischen Polizei erschossen und so heisst auch dieser deutschsprachige Blog, auf den ich hier besonders hinweisen möchte. Besonders berührend finde ich den Brief der Freude von Alexis zur Beerdigung, da wird ungemein anschaulich deutlich, was der Hintergrund der aktuellen Situation ist.

AEC-MitarbeiterInnen klagen auf reguläre Arbeitsverhältnisse - Bravo!

Posted by andrea
11. Dezember 2008 - 19:45


Foto: tschörda

Als eine aus der Linzer Kulturszene, die so einiges mitkriegt, wie Prekarität über Kultur produziert wird, freut es mich, dass heute den Medien zu entnehmen ist, dass nicht nur der kaufmännische Geschäftsführer der AEC gegangen ist, sondern dass MitarbeiterInnen des AEC dieses aus arbeitsrechtlichen Gründen geklagt haben und nun durchsetzen wollen, dass ihre Arbeitsverhältnisse in reguläre Anstellungen umgewandelt werden. Drei Klagen laufen bereits, vier sind in Schwebe.

Dazu kann ich nur sagen: Es wurde auch Zeit! Allzulange wissen sowieso alle in der Szene, dass die grossen Kulturinstitutionen von Stadt und Land wie AEC, Lentos, Landesmuseen, OK Arbeitsverhältnisse produzieren, die prekär und ungesichert sind. Es wird mit einigen wenigen Angestellten operiert, der Rest sind "Freie" (WerkvertraglerInnen, freie DienstnehmerInnen, geringfügig Beschäftigte), die beliebig hin und her geschoben werden können, meist weit unter ihrer Qualifikation bezahlt und so abhängig von der Institution sind. Wenn sich jemand wehrt, ist schnell Ersatz gefunden, denn allzuviele fallen leider auf die "Kultur ist klasse" Kreativwirtschafts-Ideologie herein oder haben schlicht keine anderen Möglichkeiten in diesem Bereich vor Ort zu arbeiten. Dass diese Praktiken oftmals an der Grenze der arbeitsrechtlichen Legalität vorbeischrammen, ist klar, aber bisher sind die Kultur-Institutionen gut damit gefahren, weil niemand den Klagsweg beschritten hat. Das scheint sich jetzt zu ändern. Ich kann diesen MitarbeiterInnen nur alles Gute und viel Solidarität seitens der KollegInnen wünschen, denn es ist Schimäre, wenn der künstlerische Leiter des AEC Gerfried Stocker sagt: "Wir haben aber beispielsweise auch Computerfreaks, die gar kein normales Angestelltenverhältnis wollen und lieber frei sind" (ORF online) - Freiheit heisst in diesem Zusammenhang vor allem frei von sozialer Sicherheit, denn bei Stundenhonoraren von oftmals nur €8.- bis €15.- kann kein/e Selbständige (der/die ja Sozialversicherung und Steuern davon zahlen muss) vernünftig überleben.

Ich bin echt gespannt wie es weitergeht - jedenfalls ist es sehr positiv, dass es hier zu einer rechtlichen Klärung der arbeitsrechtlichen Situation der AEC-MitarbeiterInnen kommen wird. Ich frage mich, warum sich Kulturstadtrat und Aufsichtsratvorsitzender Erich Watzl so sicher ist, wenn er sagt "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein städtisches Unternehmen illegale Beschäftigungen hat" (Die Presse).

NEEDful things für KulturarbeiterInnen und KünstlerInnen

Posted by andrea
10. Dezember 2008 - 15:32

NEEDful things

KUPFakademie, FIFTITU% - Vernetzungsstelle für Frauen in Kunst und Kultur OÖ und das Forum der AbsolventInnen der Kunstuniversität Linz starten 2009 mit dem Weiterbildungsprojekt NEEDful things ein vielfältiges Angebot für KünstlerInnen und KulturarbeiterInnen. Ziel ist neben praktischen Informationen auch Raum für die Reflexion der eigenen Arbeitsrealität im Kulturbereich zu schaffen. Im Frühjahr gibt es 5 Informationsabende und 3 Seminare. Das Projekt wird im Herbst fortgesetzt.

Ich bin eine der Mitinitiatorinnen dieses Projekts und werde einen der Infoabende mit dem Titel "Prekäres Arbeiten - Ein Blick auf Ressourcen" gestalten und das Seminar "Geschlechterrollen im Kulturverein - Frauen und Männer in der Alltagspraxis initiativer Kulturarbeit" leiten. Ich freue mich schon auf viele interessierte TeilnehmerInnen und hoffe, dass dieses Projekt ein produktiver Beitrag gegen Prekarisierung im Kulturbereich ist. Das das nötig ist, zeigt ja u.a. die unlängst veröffentlichte Studie des BMUKK zur sozialen Lage der KünstlerInnen.

Die Ankündigung des KAPU-Projekts '09-aussitzen macht neugierig

Posted by andrea
10. Dezember 2008 - 13:00

Richtig neugierig bin ich schon, was die Linzer KAPU mit dem Projekt '09 aussitzen wieder auf die Beine stellen wird. In der Einladung dazu heisst es "Wir haben uns entschlossen, 2009 auszusitzen – öffentlich, mitten im Geschehen, mitten im Stadtzentrum". Umgesetzt wird das mit der Kreation eines normalen 9to5-Jobs mit realen Arbeitsbedingungen, das ganz Jahr 2009 lang. Was das wohl werden wird? Da steckt sicher eine interessante Idee dahinter. Die KAPU lädt auf der Website zum Mitmachen ein.

Theologie gegen Heteronormativität - Predigt zu Genesis 1

Posted by andrea
7. Dezember 2008 - 23:57


Foto: gretchl2000

In einem Blogkommentar bei Jokerine zum Beitrag Warum Heteronormativität fürn Arsch ist hat Missingno das alte Adam und Eva Stereotyp aus der Schublade gezogen: "Als Mann und Frau erschuf er sie", allerdings argumentiert mit der aus Griechenland stammenden Geschichte vom Kugelmenschen (Platon/Aristophanes). Da mich diese Argumentation, dass Gott den Menschen als "Frau" und "Mann" geschaffen hat, und das halt so ist, schon lange nervt, möchte ich einen schon älteren Predigttext von mir zum Thema veröffentlichen. Der Text ist natürlich - formatgemäss - weniger theoretisch formuliert als das für Butler-LeserInnen vielleicht nötig erscheint ;-)

Predigt zu Genesis 1

„Als Mann und Frau erschuf er sie“.
Was ist eigentlich eine Frau? Was ist eigentlich ein Mann?
Sofort wenn wir diese Frage hören, entstehen Bilder in unserem Kopf. Wenn jemand zur Tür hereinkommt, nehmen wir sie oder ihn sofort als geschlechtliches Wesen war. Wenn wir länger darüber nachdenken, stellen wir fest, dass die Frage, was ein Mann, was eine Frau ist, eigentlich gar nicht so einfach zu beantworten ist.

Ich habe vor ein paar Wochen den Film ‚Tintenfischalarm’ mit Elisabeth Scharang und Alex Jürgen gesehen. In diesem Film geht es um die Geschichte von Alex. Alex ist intersexuell. Das heisst also, er bzw. sie ist ohne eindeutig zuordenbare Geschlechtsmerkmale zur Welt gekommen. Bei einer von 2.000 Geburten lässt sich das Geschlecht des Neugeborenen nicht exakt bestimmen. Der Film ist wichtig, weil er für das Thema Intersexualität Aufmerksamkeit schafft. Der Film ist ein Plädoyer dafür, Menschen so sein zu lassen, wie es die Natur eben wollte.

Ich denke, wir können von intersexuellen Menschen für unser Leben viel lernen. Wir werden radikal vor die Frage gestellt, was eigentlich weiblich oder männlich ist. Wir wissen heute dank feministischer Forschung, dass Geschlechterrollen gesellschaftliche Konstrukte sind, dass jede biologische Begründung für unterschiedliche gesellschaftliche Rollen von Männer und Frauen falsch ist und nur zur Stabilisierung bestehender Herrschaftsverhältnisse beiträgt.
Und wir können nun auch wissen, dass selbst das biologische Geschlecht nicht immer so eindeutig ist, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Intersexualität ist ein wichtiger Hinweis darauf.

Der biblische Schöpfungsbericht sagt uns auf den ersten Blick sehr eindeutig: „Als Mann und Frau erschuf er sie“. Wir wissen heute aber auch, dass dieser Schöpfungsbericht nicht als naturwissenschaftliche Dokumentation der Entstehung der Welt zu lesen ist. Vielmehr geht es in diesem Schöpfungsbericht um eine Sinnaussage über die Welt: „Gott sah, dass es gut war“. Die Aufzählung der Erschaffung der Natur ist nicht vollständig, sondern exemplarisch. Innerhalb des antiken Weltbilds ist der Schöpfungsbericht auch als Aussage über die Vielfalt der Welt lesbar – und, damit verbunden, über die Verantwortung der Menschen, die als Gottes Abbild geschaffen sind.

Warum sollen wir dann „Als Mann und Frau erschuf er sie“ als naturwissenschaftlich eindeutige Aussage verstehen? Ich meine, es führt zu interessanteren Ergebnissen, auch diese Aussage als Sinnaussage und innerhalb der Vielfalt der Schöpfung zu begreifen.
Im biblischen Schöpfungsbericht steckt aber ganz klar ein Auftrag. Es ist schon angeklungen. Wenn Gott die Erde segnet und sagt: „Seid fruchtbar und vermehret euch, bevölkert die Erde, unterwerft sie euch“ dann ist damit die Einzigartigkeit des Menschen innerhalb der Schöpfung angesprochen, aber auch die Verantwortung der Menschen. Es ist unsere Aufgabe, diese Welt im Sinne der Vielfalt zu gestalten. Dabei geht es sowohl um die Bewahrung der Schöpfung, verstanden als ökologische Verantwortung, aber auch um die Verantwortung für die Gestaltung des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Durch das Alte Testament zieht sich eine Botschaft, die Gerechtigkeit. Es geht um die Schaffung einer gerechten Welt: das ist der Auftrag Gottes an uns Menschen. Dann können wir von Gott als Schöpfer oder Schöpferin und uns als Mit-SchöpferInnen dieser Welt sprechen.

Online-Unterschriftenaktion für André Shepherd

Posted by andrea
5. Dezember 2008 - 22:09

Am 27. November berichtete ich über den Asylantrag des Irak-Krieg-Deserteurs André Shepherd. Es hat sich darauf hin eine lebendige, teilweise sehr kontroversielle, manchmal unter die Gürtellinie gehende Diskussion in meinem Blog entwickelt, an der sich auch André beteiligte. Mein Resümee ist noch immer, dass Asyl für André Shepherd aufgrund des völkerrechtswidrigen Irak-Kriegs mehr als gerechtfertigt wäre. So argumentiert u.a. auch der EU-Abgeordnete Tobias Pflüger.

Nun gibt es bei Connections e.V. eine Unterschriften-Aktion mit einem Aufruf an die deutsche Bundesregierung, um den Asylantrag von André Shepherd zu unterstützen. Ich habe sie schon unterzeichnet. Darin heisst es

US-Deserteur André Shepherd braucht Schutz und Asyl !
Am 26. November 2008 beantragte der US-Deserteur André Shepherd in Deutschland Asyl. Sein Einsatz als US-Soldat im Irak brachte ihn zu der Konsequenz, dass er sich nicht weiter an einem völkerrechtswidrigen Krieg und an völkerrechtswidrigen Handlungen beteiligen kann. Da er keine Möglichkeit sah, als Kriegsdienstverweigerer anerkannt zu werden, desertierte er und beantragt nun Schutz durch die Bundesrepublik Deutschland. Er verweist in seinem Antrag zu Recht auf die Qualifikationsrichtlinie der Europäischen Union, mit der die geschützt werden sollen, die sich einem völkerrechtswidrigen Krieg oder völkerrechtswidrigen Handlungen entziehen und mit Verfolgung rechnen müssen.
Wenn sich ein Soldat des Irakkrieges entsprechend dem internationalen Recht verhalten will, kann es nur eine Konsequenz geben: die Pflicht zu verweigern. Angesichts der drohenden Strafverfolgung ist dies ein mutiger Schritt. Wir möchten Sie daher bitten, seinem Asylgesuch stattzugeben und damit André Shepherd den notwendigen Schutz zu gewähren.

Wer es mir in der Unterstützung dieses wichtigen Anliegens gleich tun will, kann das bei Connection e.V. im Online-Formular tun.

Einfallslos zum Quadrat

Posted by andrea
4. Dezember 2008 - 16:22

Na, ich sags ja: Kulturhauptstadt Linz 2009 ist ein EU-Propaganda Projekt. Heute prangt dieses Inserat in den Oberösterreichischen Nachrichten. Da lässt sich jetzt nur noch fragen, ob der Linz 09 GmbH. bzw. ihrer Werbeagentur nichts besseres einfallen ist, um die regionale Mainstream-Presse zu fördern (oder sich freundliche Berichterstattung zu erkaufen) oder was sie uns damit jetzt sonst noch sagen wollen ...