Der Mainstream ist rechts. Da ist nichts daran zur rütteln.

Posted by andrea
1. März 2009 - 19:19

Heute habe ich mit einem Freund darüber gesprochen, wie das damals wohl war, als der Mainstream "links" war. Wir haben es beide verpasst, sind zu spät auf die Welt gekommen, um zu erleben, wie es war in den 1970er-Jahren, als Bruno Kreisky „alle Lebensbereiche mit Demokratie durchfluten“ wollte. Was war das wohl für ein Lebensgefühl?

Heute mittag habe ich noch behauptet, dass heute der Mainstream irgendwo zwischen "rechts" und "wurscht" ist, das nehme ich jetzt zurück: Der Mainstream ist rechts. Sonst nichts. Es ist tragisch, für die Kärntner_innen, für uns alle. Offenbar hatten alle anderen Parteien der Heiligenverehrung eines betrunkenen Autorasers nichts entgegenzusetzen. Der einzige Trost: In Salzburg bleibt mehr oder minder alles beim Alten, auch nicht gut, aber wenigstens fast nicht schlechter. Ja, heutzutage muss ich wohl mit so wenig zufrieden sein.

Andere Blogeinträge zu den Landtagswahlen:

Der kranke Hase bloggt und ist verrückt nach Linz

Posted by andrea
26. Februar 2009 - 15:53

Immer präsenter werden die Hasen im Linzer Stadtbild. Gestern habe ich ihn auch im Süden von Linz, in Ebelsberg, entdeckt, an der Strassenbahnhaltestelle. Grund dafür ist ein Linz09-Projekt (eines der wenigen interessanten Linz09-Projekte) des Kunstraums Goethestrasse: Der kranke Hase / Verrückt nach Linz.

_ VERRÜCKT NACH LINZ
Ist es schon einmal vorgekommen, dass eine Märchenfigur MitbewohnerIn einer Kulturhauptstadt wird? Warum verlässt der kranke Hase der Grottenbahn am Pöstlingberg – der Antiheld der kindlichen Pilgerstätte und inoffizielles Wahrzeichen der Stadt – sein Lager bei den Zwergen und wird nach Linz „verrückt“?
Wie viel Verrücktheit – oder Verrücktes – verträgt Provinz?

Eröffnung ist offziell am 21. März ab 13.00 in der Goethestrasse 30, aber bis dahin lassen sich manche hasenbezogene Verrücktheiten ausleben im Blog zum Projekt: www.derkrankehase09.com, wo ich auch fallweise meine Hasen-Fundstücke weitergebe. Ich bin schon gespannt, was da alles auf uns zukommt ... Der Kunstraum Goethestrasse ist ja immer wieder gut für spannende Kunstprojekte, die den Respekt vor allen Menschen in den Mittelpunkt rücken - und dabei die Möglichkeiten der Kunst ausloten.

"Die Großen läßt man laufen, die Kleinen hängt man" - Supermarktkassierin wegen € 1,30 gekündigt

Posted by andrea
25. Februar 2009 - 23:38

Die Supermarktkassierin Barbara E. wurde gekündigt, weil sie angeblich Leergutbons in den Höhe von € 1,30 unterschlagen hat. Das Urteil, dass diese Kündigung rechtens ist, wurde gestern in 2. Instanz bestätigt. In diesem Mitschnitt der ARD Tagesthemen ist diese Geschichte gut zusammengefasst und Barbara E. kommt auch zu Wort: "Die Großen läßt man laufen, die Kleinen hängt man". Barbara E. hat 30 Jahre bei ihrem Unternehmen "Kaiser's" gearbeitet und war gewerkschaftlich engagiert.

Eine gute Dokumentation des Falls findet sich bei Labour.net. Thialfi vom Blog "Tempel der Gaia" reflektiert in diesem Zusammenhang über Gerechtigkeit. Auch ich meine, dass hier offenbar "Dobble Standards" bestehen: Banker können Milliarden verzocken und der Verlust wird mit Steuergeldern ausgeglichen, eine Supermarktkassierin, die diese Steuergelder zahlt, schützt offenbar das Recht nicht. Das einzig erfreuliche ist, dass offenbar Gewerkschafter_innen ein Solidaritätskomitee gegründet haben.

Karge Zeiten

Posted by andrea
25. Februar 2009 - 11:36

Heute ist Aschermittwoch, es beginnt die Fastenzeit. Wie dazu passend hat gestern der Ministerrat ein neues Bleiberecht beschlossen, dazu ein guter Kommentar bei Feuerhaken. Es ist einfach ein Trauerspiel, dass sich hier keine Lösung finden lässt, die Menschen als Menschen wahrnimmt und nicht als beliebige Verschubmasse. Dass das so läuft, wie es läuft, ist Anlass zum Widerstand, aber auch zum Bedenken, warum das so ist. Die Debatte übers Bleiberecht wird uns wohl in die nächsten Wochen begleiten, darum hier noch ein paar Hinweise auf Fastenzeitimpluse, die mir so im Netz begegnet sind:

  • Kalliope bietet auf Mein Leben als Rezitatorin einen literarischen Fastenkalender.

  • Das Bibelwerk der Diözese Linz verschickt täglich biblische Impulse zur Zeit passend: aufatmen
  • Auch die Linzer Pfarre St. Peter bietet einen Fastenkalender an.
  • Und weil alle guten Dinge 3 sind ;-) hier zum dritten Mal der Hinweis auf die Aktion Autofasten.

Vorstellung von Santa Precaria auf eBetriebsrat

Posted by andrea
24. Februar 2009 - 22:15

Im Blog eBetriebsrat habe ich einen Gastbeitrag verfasst und das Blog Santa Precaria vorgestellt. Hier nur dieser kurze Hinweis darauf.

Kirche 2.0 - sachdienliche Hinweise

Posted by andrea
23. Februar 2009 - 23:29

Nachdem ich letzte Woche über Kirche, die Medien und das Web2.0 gebloggt habe, hat sich zwischenzeitlich schon wieder einiges für mich Neues zum Thema ergeben, das ich hier weitergeben und -empfehlen möchte.

Dass der Vatikan nun auch auf YouTube zu finden ist, war vor kurzem auch in den Mainstream-Medien zu lesen. Ob die sehr traditionell wirkenden Formate der Videos auch die YouTube-Zielgruppe ansprechen, ist für mich fraglich, aber das kann ja noch werden ;-) Hier jedenfalls ein kleiner Ausschnitt, der Papst zum Thema "Vorrang der Ethik gegenüber Genetik"

Ein Blog, der sich explizit mit dem Thema Kirche im Web 2.0 beschäftigt ist Netzinkulturation.de - Entwickelt Internet Kirche?. Dort ist z.B. zu lesen, dass die katholische Kirche nun in Second Life zu finden ist.

Von der Studie “Verkündigung 2.0 - Kirche im Web 2.0″ der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt am Main (via Liechtenecker) ist derzeit vor allem das Projektkonzept online. Das bin ich schon gespannt, ob etwas und was da noch kommt.

Von der Weltkirche, über Deutschland nach Österreich:

Christopolis (danke, Marcel für den Hinweis) ist ein Blog, das "Sozialwort-Magazin der Katholischen Aktion der Erzdiözese Wien in Kooperation mit der Evangelischen Diakonie und der Katholischen Sozialakademie". Das Projekt schließt an an das Ökumenische Sozialwort der christlichen Kirchen aus dem Jahr 2003, das auch mit Selbstverpflichtung der Kirchen einherging an dem Thema weiterzuarbeiten. Lustig finde ich, dass sich dort das aktuelle Attac-Video findet, dass ich auch gerade eben beworben habe.

Von der Katholischen Jugend gibt es nicht nur die schon erwähnte Website aufbauen-statt-abhauen, sondern auch deren sonstigen Webangebot ist einladend Web 2.0ig. Leider habe ich aber im Blog keinen RSS-Feed gefunden, dafür gibt es einen YouTube-Channel und lebendige Facebook-Gruppe sowohl für Wien als auch Österreich. Das überraschen auch die Projekte nicht: Die Katholische Jugend lädt mittels find•fight•follow zu Jugendgottesdiensten ein, es gibt dazu das volle Programm: Weblog, YouTube.com, MySpace.com, StudiVZ und Facebook. Ähnlich verhält es sich mit 72 Stunden ohne Kompromiss, der größten österreichischen Jugend-Sozialaktion mit mehr als 5000 Helfer_innen, die sich in Sozialorganisationen ehrenamtlich engagieren.

Will be continued ... Ich freue mich über weitere sachdienliche Hinweise!

Was wäre, wenn wir die Millionen hätten?

Posted by andrea
23. Februar 2009 - 13:32

Die Finanz- und Wirtschaftskrise setzt ja einiges an Kreativität frei, obenstehender Cartoon ist ein wunderbares Beispiel dafür (von frapzzt). Ich meine, dass die aktuelle Krise ja vor allem eine Nachfragekrise, eine Überproduktionskrise ist.

(A-)Theismus zum Selbermachen

Posted by andrea
22. Februar 2009 - 0:32

Die Bus-Kampagne der englischen Atheist_innen weitet sich ja nun auch nach Mitteleuropa aus. Ich finde diese gar nicht so schlecht, weil sie zum öffentlichen Diskurs über Gott anregt und im Slogan "There is probably no God. Now stop worrying. And enjoy your life" viel offen lässt. Nun habe ich via Brockenstube den Bus slogan generator [Link geht leider nicht mehr, 10.3.09] entdeckt. Mein persönlicher Bus ist verziert mit nachdenklichen Nietzsche-Auszügen, ich glaube, das passt gut dazu.

Tiere haben eine eigene, unverwechselbare Würde

Posted by andrea
21. Februar 2009 - 15:29

Heute habe ich in der Linzer Landstrasse Aktivist_innen des Vereins gegen Tierfabriken getroffen und auch gleich gegen den Pelzverkauf bei der Firma Kleiderbauer unterschrieben. Pelze zum Anziehen sind ja wirklich sowas von unnötig und verursachen eine Menge an Tierleid. Ich kenne mich mit Tierrechtsfragen nicht im Detail aus, aber frage mich immer wieder, warum all diese Massentierhaltungen und Tierversuche nicht einfach verboten sind. Es ist ethisch völlig unhaltbar, denn Tiere sind zwar etwas anderes als Menschen, aber haben genauso eine eigene unverwechselbare Würde, die es unbedingt zu achten gilt. Letztlich geht es da nur um Geschäftsmacherei, Kapitalismus eben. Betroffen war ich auch von Beitrag Botox - Tierqual für eine fragwürdige Schönheit im Blog Mentio von Noah. Es ist einfach unglaublich, dass es sowas geben darf.

Erinnert wurde ich heute auch wieder an die Repressionen gegen Aktivist_innen des Vereins, denen vorgeworfen wird, Mitglieder in einer kriminellen Organisation nach § 278a zu sein. Die Folge: 3 Monate Untersuchungshaft und die Beschlagnahmung von Unterlagen des Vereins. Die Staatsanwaltschaft ermittelt noch immer, das Verfahren ist also in Schwebe. Das ganze ist nicht nur eine offenbar konstatierte Aktion gegen unliebsame Aktivist_innen, sondern auch demokratiepolitisch höchst bedenklich - denn die Frage liegt nahe, wer die nächsten sind? Atomkraftgegner_innen, Gewerkschafter_innen, EU-Kritiker_innen? Auch hier gibt es eine Unterschriftenaktion, die ich vor längerer Zeit schon unterstützt habe.

Autorettung auf der Arche Noah

Posted by andrea
20. Februar 2009 - 0:16

Dieser Cartoon (via kosmopolit) hat offenbar einen Europäischen Presse Preis gewonnen, genaues kann ich aufgrund mangelnder Französisch-Kenntnisse nicht identifizieren. Der Cartoon gefällt mir jedenfalls sehr gut, weil er die Message genau auf den Punkt bringt: Erst ist monatelang vom Klimawandel in den Mainstream-Medien die Rede, jetzt gehts nur noch um die Rettung der Auto-Industrie - statt auf vernünftige Mobilitätsformen umzusatteln und Ökotechnologien auszubauen, um auch den Beschäftigten in diesem Bereich längerfristig sinnvolle Arbeitsplätze anbieten zu können. Die politisch Verantwortlichen verladen offenbar derzeit lieber die Autos auf der Arche Noah als Menschen und Tiere.

Ich nutze die Gelegenheit für ein paar sachdienliche Hinweise zum Thema:
Auf die Initiative "Autofasten" der Umweltbeauftragten der christlichen Kirchen in Österreich habe ich ja schon hingewiesen. Start ist am 25.Februar. Blogs, die ich sich unter anderem mit Ökothemen beschäftigen, die ich gerne lese, sind Mentio und Tempel der Gaia. Und es ist für alle, die es noch nicht getan haben, interessant den eigenen ökologischen Fussabdruck zu errechnen. Eine sehr nette Aktion stammt vom Verkehrsclub Deutschland: Neue Räder braucht das Land!

Attac zieht Bankern die Hosen aus

Posted by andrea
18. Februar 2009 - 20:45

Damit sich niemand fragt, ob ich in nächster Zeit nur noch über die katholische Kirche blogge und sonst keine Sorgen habe, jetzt endlich auch wieder einmal ein anderes Thema hier im Blog. Dieses kurze Video von ATTAC zur Finanz- und Wirtschaftskrise ist wirklich sehenswert und darum möchte ich es empfehlen. In Zeiten wie diesen tut ein Stück Ironie sicher gut.

Kommunikation statt ideologische Propaganda: Die katholische Kirche, die Medien und das Web2.0

Posted by andrea
18. Februar 2009 - 12:45

Robert Misik, den ich für seine kapitalismuskritischen, oftmals witzig-ironischen, Beiträge sehr schätze, aber leider weniger für seine undifferenzierte Haltung gegenüber den Religionen, schreibt in der heutigen Ausgabe der Wiener Stadtzeitung Falter über Heilige Bytes, über christlich-fundamentalistische Internetseiten wie kreuz.net und gloria.tv. Richtig ist die Kritik von Robert Misik an deren fundamentalistischer, vordemokratischer Haltung, aber er behauptet auch, dass diese Internetaktivitäten der Amtskirche den Rang ablaufen. Für diese Plattformen kann das ganz sicher nicht gelten, das ist eindeutig Minderheitenprogramm. Kreuz.net hat sich mit seinen Aussagen z.B. zur Homosexualität auch selbst außerhalb der katholischen Kirche katapultiert, wie Robert Misik im Verweis auf Paul Wuthe, den Leiter des Medienreferats der Österreichischen Bischofskonferenz, selbst anmerkt.

Die Frage aber, ob die Fundamentalist_innen der Amtskirche den Rang abgelaufen haben, bleibt. Wenn dann macht es aber mehr Sinn sie in Bezug auf kath.net zu stellen, eine Nachrichtenplattform mit sehr lebendigem Forum ("Nur für Katholiken"), die sich selbst als die "größte deutschsprachige katholische Internet-Community" bezeichnet. Ob das stimmt, kann ich nicht nachvollziehen, Tatsache ist aber, dass diese Website offenbar ein Sammelbecken für alle ist, die "katholisch" mit moralischer Rigidität bis hin zur Diskriminierung queerer Lebensweisen, unkritischer Rom-Hörigkeit, platter Bibelauslegung und einfachen Antworten alá dem theologisch in vielen Punkten fragwürdigen Katechismus der katholischen Kirche, dem jedenfalls die Übersetzung der Glaubensinhalte in eine heutige Welt nicht gelungen ist, verwechseln. Für Weltoffenheit, Modernität, Pluralismus, Diskursfähigkeit in der heutigen Welt ist da wenig Platz, weil die Betreiber_innen sowieso immer schon vorher die Antwort auf notwendige Fragen wissen.

Aber auch bei kath.net denke ich, dass es sich um ein Minderheitenprogramm handelt, dass keine breite Basis bei den Mitgliedern der katholischen Kirche hat, gleiches würde ich auch für Radio Maria, Radio Horeb oder K-TV behaupten. Mein Eindruck ist, das hinter diesen Angeboten eine kleine, wenn auch gut vernetzte und technisch visierte Gruppe steht.

Trotzdem bleibt die Frage von Robert Misik, denn auch wenn die Medienangebote der Fundamentalist_innen ein Minderheitenprogramm für wenige sind, ist zu fragen, was die "Amtskirche" denn zu bieten hat. Ich denke, dass die breite Mehrheit der katholischen Christ_innen bei Bedarf, z.B. weil eine Gottesdienstteilnahme aufgrund von Krankheit nicht möglich ist, sicher viel eher auf die Fernseh-und Radio-Übertragungen von Gottesdiensten im ORF zurückgreift oder sich auf religion.orf.at oder in den dazugehörigen Sendungen (die nebenbei bemerkt ein wirkliches, seltenes Highlight des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Österreich sind) informiert. Im Internet bieten auch der Nachrichtendienst der Österreichischen Katholischen Presseagentur Kathpress oder die Webseiten der Diözesen einen guten Überblick, bei allen Diözesen finden sich neben Nachrichten auch vielfältige spirituelle Angebote. Und der Vatikan hat ja nicht nur eine Internetseite, sondern seit einigen Wochen auch einen mehrsprachigen YouTube-Channel, etwas das beispielweise auch die Katholische Kirche in Oberösterreich schon einige Zeit betriebt.

Es gibt mit dem bestehenden Webseiten eine gute Basis für die Präsenz im Internet und gleichzeitig wird nicht der Aufbau einer eigenen Video-Community betrieben (wie es kathnet mit kathtube tut und gloria.tv ist ja auch so ein Beispiel), sondern Kirche ist dort, wo die Menschen sind - und das ist eben YouTube im Videobereich. Auch wenn (noch) andere kommunikative und interaktive Formate wie Blogs, Twitter oder das Engagement in sozialen Internetnetzwerken wie Facebook fehlen, sehe ich das doch als ersten Schritt in die richtige Richtung. Wenn es in der Pastoralkonstitution des II. Vatikanischen Konzils heisst "Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände", so kann die Konsequenz nicht der Aufbau eigener, abgeschlossener Communities im Netz sondern, sondern es braucht die Kirche bei den Menschen. In einer pluralen Gesellschaft - und diese Pluralität hat längst auch die katholischen Gläubigen erreicht, wie der Religionssoziologe Michael Ebertz gestern in Kreuz & Quer betonte - braucht es Kommunikations- und Diskursfähigkeit, eine klare Parteinahme für die Marginalisierten dieser Gesellschaft und die Erhaltung unserer natürlicher Lebensgrundlagen, Gespür und Empathie für heutige Lebensfragen und die Offenheit, andere Meinungen auszuhalten. Und das alles kann nur ausgehend von einer eigenen, reflektierten Haltung passieren, die sich klar am christlichen Menschenbild orientiert. Das ist vielleicht auch das, was die österreichischen Bischöfe mit "Auf Christus schauen" am Montag in ihrem Hirtenbrief gemeint haben, ich hätte es vermutlich aber anders, zeitgemässer, formuliert. Der Orientierungspunkt für Christ_innen muss die Praxis Jesu sein - und diese ist eine diskursive Praxis.

Insofern denke ich, dass der Ausbau von Aktivitäten der Kirche im Social Web den "Zeichen der Zeit" entsprechen würde und auch schon begonnen hat. Ausgangspunkt dafür sind für mich aber weniger die Zentralen, sei es der Vatikan oder auch die Diözesanleitungen, sondern vielmehr jene "Organisationseinheiten" der Kirche, wo diese diskursive Praxis alltäglich sowieso schon gelebt wird im persönlichen Kontakt, im Hinhören und im Gespräch: Die Pfarrgemeinden, Bildungshäuser, der auch gerade wieder mal diskutierte Religionsunterricht, die Katholische Aktion und andere kirchliche Basisgruppen, der ganz normale pastorale Alltag.

Ein gutes Beispiel dafür, wie es geht, ist die diese Woche vorgestellt Website Aufbauen-statt-Abhauen, die von Aktivist_innen der katholischen Jugend eingerichtet wurde, und (junge) Menschen dazu einlädt, sich selbst ein T-Shirt zu gestalten, sich damit zu fotografieren und zu sagen, warum sie trotz der aktuellen "Kirchenkrise" bleiben. Ich wünsche mir mehr davon!

Diese Aktivitäten werden sich dann nicht "größte deutschsprachige katholische Internet-Community" nennen, sondern pluraler, diskursiver, vielfältiger sein, was der Begriff "katholisch" von der griechischen Grundbedeutung des Wortes her "das Ganze betreffend, allgemein gültig" auch insinnuiert. Damit entsteht zwar nicht soviel Aufmerksamkeit in den Mainstream-Medien, aber viel eher besteht die Chance, dass "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen" (Mt 18,20) auch eine wirklich entsprechende Präsenz im Web2.0 findet. Das wird dann auch deutlich, dass die christliche Botschaft nicht die vorschnellen Antworten sind, sondern vielmehr das Aushalten der Fragmentarität des menschlichen Lebens, hoffend darauf, dass das mehr als neoliberale Geschäftigkeit ist.

Zeichen und Wunder

Posted by andrea
15. Februar 2009 - 21:18

Wunder beeindrucken und irritieren schreibt Monika Heilmann in ihren sehr lesenwerten Sinnspuren zum heutigen Sonntagsevangelium. Ein bisschen denke ich schon, dass heute ein "Wunder" passiert ist, zumindest ich hätte nicht damit gerechnet. Das "Wunder" steht auf der Website der Diözese Linz gleich im nächsten Beitrag: Pfarrer Gerhard Maria Wagner hat seinen Rückzug als Weihbischof von Linz erklärt. Wie viele war ich sehr betroffen von der aktuellen kirchenpolitischen Situation. Ich freue mich und denke, dass Protest offenbar in der katholischen Kirche auch etwas nutzt, ist ein Zeichen für mehr.

Wo soll ich bloss anfangen?

Posted by andrea
12. Februar 2009 - 14:01

Wie viele bin ich zutiefst betroffen und besorgt über die jüngsten Ereignisse in der katholischen Kirche, die - nach einer langen Pause, wo ich damit nichts anfangen konnte - in den letzten Jahren meine Kirche geworden ist. Ich frage mich, wo ich anfangen soll ... Bei Papst Benedikt und seinen Pius-Brüdern im Geiste, wie es Publik Forum so treffend formuliert? Beim bedrohlichen Gottesbild des designierten Hilfsbischofs von Linz, Dr. Gerhard Wagner? Bei seinem Ausschluss von Minstrantinnen aus dem Altarraum? Bei seinen homophoben Äußerungen, die nicht mal mehr auf dem Boden der aktuellen katholischen Lehre stehen und krankmachen und dann auch noch von anderen Bischöfen unterstützt werden? Beim autoritären Verständnis der Kirche? Beim überzogenen Klerikalismus, der zwischen den Zeilen insinnuiert, dass Priester doch besser sind als andere? Bei den beginnenden Kirchenaustritten, von deren Anstieg mir auch ein Studienkollege berichtet hat, der derzeit Praktikum in der Kirchenbeitragsstelle macht? Bei der fehlenden Demokratie in der Kirche, die vielleicht eigentliche Ursache für alle diese Fragen ist, denn die breite Mehrheit der Katholik_innen in Oberösterreich stellt sich wohl die gleichen Fragen wie ich?

Eigentlich fällt mir nur ein "Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpf hat schon verloren" - aber wo bloss anfangen? Es ist jedenfalls Zeit, etwas zu tun und die breit getragene Stellungnahme der Dechantenkonferenz der Diözese Linz vom 10.2.2009 ist jedenfalls ein Hoffnungszeichen:

Als Dechanten in unserer Diözese Linz nehmen wir wahr, dass viele Christinnen und Christen der Ernennung von Dr. Gerhard Wagner zum Weihbischof zustimmen, dass aber auch sehr viele empört, enttäuscht und verletzt sind. Im intensiven Gespräch der Dechanten stellte sich klar die fehlende Akzeptanz von Dr. Gerhard Wagner für das Bischofsamt heraus. Daher können wir aus Sorge um die Glaubwürdigkeit der Kirche und der Einheit unserer Diözese die Zustimmung zur Weihe von Dr. Gerhard Wagner nicht geben.

US-Deserteur André Shepard erhält Friedenspreis

Posted by andrea
10. Februar 2009 - 19:12

Am Samstag, dem 7. Februar 2009, wurde dem US-Deserteur André Shepherd der Friedenspreis des Munich American Peace Committee verliehen, einer US-amerikanischen Friedensgruppe mit Sitz in München. Über den Asylantrag des Irak-Kriegsdienstverweigerers habe ich hier und hier berichtet, in meinem Blog hat sich eine lebendige Diskussion entwickelt. Der Asylantrag ist nach wie vor in Bearbeitung.

Richard Forwad begründet den Preis, der im Rahmen der Aktivitäten gegen die Münchner Sicherheitskonferenz verliehen wurde:

Wir wollen André Shepherd auszeichnen, weil er mutig und überzeugt die Kriege in Irak und Afghanistan verweigert, trotz der drohenden Strafverfolgung.

André Shepard sagt

Ich werde diesen Preis nicht nur für mich entgegennehmen. Er gebührt allen Menschen und Organisationen, die gegen die Verbrechen gegen die Menschlichkeit aufstehen, die von den Mächtigen begangen werden. Die unermüdlichen Aktivitäten von Friedensaktivisten sorgen dafür, dass wir Licht am Ende des Tunnels sehen können

Meine herzliche Gratulation an André!
Nähere Informationen gibt es bei http://www.connection-ev.de und http://www.mc-network.de/