Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise: Initiative für eine demokratische Wende

Posted by andrea
3. Dezember 2008 - 16:40

Ich habe einen Aufruf für eine demokratische Wende angesichts der Finanzkrise mitunterzeichnet und möchte darum hier auf die Inhalte und das in diesem Zusammenhang am 6.Dezember 2008 in Salzburg stattfindende Treffen zur Vorbereitung von Aktivitäten hinweisen.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde,

was dem Anschein nach mit der Schieflage von ein paar Finanzinstituten begann mündet immer deutlicher in einer schweren globalen Wirtschaftskrise. Die Arbeitslosigkeit steigt, Investitionen sinken, die öffentlichen Budgets werden durch die Finanzkrise enorm in Anspruch genommen, die Auseinandersetzungen um die Verteilung der wirtschaftlichen Erträge werden härter. Regierungen und Vorstände großer Unternehmen feiern sich als Retter und betonen beinahe unisono: Ein Weitermachen wie bisher, kann es nicht geben, keine Fortsetzung des neoliberalen "business as usual".

Und tatsächlich: überzeugte Neoliberale jenseits und diesseits des Atlantiks bekennen sich plötzlich offen zur staatlichen Regulierung. Sogar die oberste Hüterin des Wettbewerbs, die EU-Komission willigt, solange sie ihr zur Notifizierung vorgelegt werden, staatlichen Rettungsprogrammen zu. Vor allem gemahnen sie es beinahe als staatliche Pflicht an, die an den Finanzmärkten akkumulierten Werte abzusichern. Für die Zukunft wird mehr Transparenz, verbindliche Regeln vor allem von den jeweils anderen gefordert. Mitunter kokettiert man sogar mit dem Gedanken, sich zumindest teilweise der Besteuerung zu unterwerfen. Überfällige steuerliche Entlastungen und öffentliche Investitionen werden zu Konjunkturprogrammen hochstilisiert.

Katholische Soziallehre online

Posted by andrea
2. Dezember 2008 - 20:04

Nicht gerade hübsch, aber übersichtlich und praktisch präsentiert sich die neue Website der Katholischen Sozialakademie Österreich (KSÖ) zur Kirchlichen Soziallehre unter http://www.sozialkompendium.org. Die Website hat den Anspruch die "erste systematische Zusammenschau der katholischen Soziallehre" zu sein. Sie macht den Inhalt des "Kompendiums der Soziallehre der Kirche" in deutscher Sprache vollständig zugänglich, bietet einen übersichtlich mit Grafiken dargestellten Überblick zum Thema, eine vollständige Liste kirchlicher Dokumente und informiert über aktuelle Initiativen, auch im ökumenischen Zusammenhang. Für alle, die zum Thema arbeiten oder sich auch einfach einen ersten Überblick verschaffen wollen, sicherlich eine Fundgrube.
Leider wurde zum auf der ersten Seite prangenden Begriff "Dialog" nicht auch gleich mit dieser Website eine Praxisumsetzung in Anbindung an Social Web Anwendungen gefunden. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Odysee Kulturhauptstadt Linz 2009: Uminterpretationen

Posted by andrea
1. Dezember 2008 - 13:56

Da ja heute der 1. Dezember ist, hier vorab mein Beitrag für die nächste KUPF-Zeitung in der Rubrik "Odysee Linz 2009". Erscheint in der 2. Dezemberwoche.

Linz 09 interpretiert den Advent um: Nicht mehr 24 Türchen gibt es am Adventkalender zu öffnen, sondern – Tradition hin oder her – 31 Türchen stehen zur Verfügung: Linz09 hat ja genügend zum Herzeigen. Die Vorfreude soll nicht mehr einen traditionellen christlichen Fest gelten, sondern dem Faktum, dass Linz 2009 Kulturhauptstadt Europas sein wird. Weihnachten ist sowieso mehrheitlich ein Kommerzspektakel - die Zeit der besten Umsätze für den Handel - also macht es auch nichts, wenn dieses Jahr ein bisserl verlängert wird zugunsten der „guten Sache“. Die „gute Sache“ ist hier also nicht mehr die Menschwerdung Gottes und (für alle, die das glauben) die damit verbundene performative Zusage eines guten Lebens für alle, sondern Kultur à la Linz 09 als neue Heilsverheißung. Zugesagt wird uns Linz als Standort („Geht´s der Wirtschaft gut, geht’s den Menschen gut“ und wer´s glaubt wird selig), die Kultur als Beschäftigungsfeld der Zukunft (Santa Precaria, schau oba!) und für alle, die doch noch etwas anderes arbeiten oder die gerade keine Erwerbsarbeit haben, ein Unterhaltungsfeuerwerk der Extraklasse, das sich sogar mittels „Tatort“ bis ins eigene Wohnzimmer fortsetzt. Wer ganz nah am Allerheiligsten von Linz 09 dran sein will, kann sich übrigens sogar als Freiwillige/r melden!

Darüber darf aber jetzt nicht geschimpft und rumgemotzt werden – denn Kultur ist ja gut und da kann ja niemand dagegen sein. Und Martin Heller hat ja sowieso immer den Dialog angeboten – auch wenn Linz 09 mehr als Werbemaschinerie denn als Kommunikationsdrehscheibe funktioniert. Die Botschaften sind längst platziert – und die, die dagegen sind, haben es nur noch nicht verstanden: Der Markt verspricht das Heil der Zukunft und wenn Du nur wirklich willst, kannst Du alles erreichen: von Tellerwäscher zum Millionär – und wenn Du dann als Fondsmanager mal ein paar Millionen verzockst, hilft Dir der Staat mit Steuergeldern weiter und niemand wird Dir den Besuch der Luxusmesse verübeln [scheiße, eine Luxusmesse wäre ja eine gute 09-Projektidee gewesen, die hätten sie vielleicht gewollt]. Kultur behübscht diese Szenerie und deckt deren Brüche zu – schon wieder größtenteils finanziert mit den Steuergeldern aller, also Umverteilung von unten nach oben.

Ich müsste sofort aufhören, mich für Kunst und Kultur zu engagieren, wenn es nur diesen Blickwinkel gäbe. Ich weiß allerdings auch, dass es viele Kulturinitiativen, viele KünstlerInnen gibt, die ihre Arbeit als Beitrag zu einer demokratischen, solidarischen und emanzipatorischen Gesellschaft verstehen. Da ist Kultur dann wirklich eine „gute Sache“ - denn da dürfen wir nicht nur vorgefüllte, neoliberal gemainstreamte Adventkalendertürchen öffnen, sondern können selbst gestalten, was da drin ist – oder den Adventkalender mit dem Kommerzrummel einfach in den Mistkübel werfen. Da ich darum weiß, bin ich mir sicher: Es gibt ein Leben nach Linz 09.

70200 GEMA-Formulare für 33 Sekunden Musik

Posted by andrea
30. November 2008 - 18:21

Gerade eben mitgekriegt, ist schon ein paar Monate her, aber nichts desto trotz sehr berichtenswert: Der deutsche Komponist Johannes Kreidler hat ein 33 Sekunden langes Musikstück komponiert und dabei 70200 Fremdzitate verwendet, die Aktion nennt sich product placement. Er meldet dieses Musikstück bei der GEMA, der Verwertungsgesellschaft für Musikrechte in Deutschland, mit 70200 Einzelnachweisen an, die natürlich nur in einem Lastwagen passen. Aufgezeigt wird damit, dass das UrheberInnenrecht längst nicht mehr den gesellschaftlichen, künstlerischen und technischen Anforderungen entspricht. In der Begründung für diese Aktion heisst es:

Es ist ja längst keine rein juristische Angelegenheit mehr, sondern zunehmend auch eine ästhetische: Seit der medialen Allverfügbarkeit im Internet einerseits und dem zu Ende gegangenen Materialfortschritt in der Neuen Musik andererseits stellen sich mit jeder Klangverbindung die (unbeantwortbaren) Fragen: Was ist eigen, was ist fremd, was ist empirisch, was negierend, was ist semantisch, was Phänomen, ab welcher Länge hat etwas Zitatcharakter? Wie mit den Medien umgehen, da auf einem Medium zu sein ja bedeutet, selbst Medium zu sein? Das Werk ist Netzwerk. Was also ist heute Identität? Dem hinkt der GEMA-Formalismus so weit hinterher wie das Urheberrecht allgemein.

Mehr Information zum Künstler und zur Aktion, inklusive eines 15-minütigen Doku-Videos und Links zu Theorietexten und Presseberichten, gibt es auf der Website von Johannes Kreidler.

Börsencrash und Vorherrschaft - Audiomitschnitt eines Vortrag von Winfried Wolf zur Finanzkrise

Posted by andrea
30. November 2008 - 1:03

Im Cultural Broadcast Archive (CBA) findet sich ein Audiomitschnitt einer Veranstaltung der Werkstatt Frieden und Solidarität, die ich besucht habe, und die ich zum Nachhören, für den persönlichen Podcast, unbedingt empfehlen möchte. Der Audiomitschnitt wird von SpaceFemFM zur Verfügung gestellt. Börsencrash und Vorherrschaft - Wer gewinnt, wer verliert, welche Machtverschiebungen ergeben sich durch die Finanzkrise? dokumentiert eine Veranstaltung mit dem deutschen Ökonomen Winfried Wolf vom 20. November 2008. Winfried Wolf berichtet über die aktuellen Schwelbrände der globalisierten Wirtschaft und geht auch auf die historischen Wirtschaftskrisen ein. Resümee: Entweder es gibt eine demokratische Wende oder es tut sich die Schere zwischen Reich und Arm weltweit noch weiter auf.

Asylantrag des Irak-Krieg-Deserteurs André Shepherd aus den USA in Deutschland

Posted by andrea
27. November 2008 - 22:51

Durch einen Blogeintrag bei Stefan Silber habe ich erfahren, dass heute André Shepherd im Rahmen einer Pressekonferenz seinen Asylantrag vorgestellt hat. Bei Connections e.V, die internationale Arbeit für KriegsdienstverweigerInnen und DeserteurInnen machen, ist eine Stellungnahme von André Shepherd zu lesen, darin heisst es unter anderem:

Kirche verwebt mit Wikipedia

Posted by andrea
26. November 2008 - 19:13

Unter dem Titel Die Kirche und OpenSource-Entwicklungen ist bei André Bräkling ein äußerst amüsanter und mit Wikipedia-Links gespickter Blogbeitrag über die Entwicklung der christlichen Kirchen bis heute zu lesen. Beim ersten Lesen irritiert zwar die typische Wirtschaftssprache, aber beim zweiten Blick bringt es genau dieser Jargon auf den Punkt.
Das Resümme nach 2000 Jahren:

Der Hauptkritikpunkt an der Foundation ist die teils behäbige Reaktionsgeschwindigkeit, die auf die Größe und Komplexität des über viele Jahrhunderte entstandenen Gesamtsystems zurückzuführen ist. Bestes Beispiel ist die späte Reaktion auf geänderte Hardwarebedingungen.

Wirklich lustig zu lesen und auch bedenkenswert!

Neue Optik für das Blog

Posted by andrea
25. November 2008 - 4:07

8.Nov. 2008 Es ist unverkennbar: Mein Blog hat eine neue Optik bekommen, wieder mit einem Drupal Theme, das kostenlos zur Verfügung steht. Ich bin mit diesem Design viel zufriedener, das es mehr meinem Look-and-Feel entspricht als das erste, doch etwas biedere Design. Ich hoffe auch, dass es damit noch ein bisschen übersichtlicher für die LeserInnen ist.
Dort oben, wo es jetzt orange ist, könnte ich auch einfach ein Bild plazieren. Da habe ich leider heute Nachmittag kein Passendes gefunden - aber vielleicht wird das noch ...

25.Nov. 2008: Alles wieder rückgängig. So wirklich zufrieden war ich mit dem anderen Theme doch nicht. Nun schaut es wieder schlicht und einfach aus - und es hat doch alles Platz. Ja, ja, ich weiss, andauernd das Theme ändern ist unprofessionell. Aber ich bin halt immer noch in der Blog- und Drupal-Experimentierphase. Ich hoffe meine regelmässigen LeserInnen mögen es mir verzeihen. Aber ich glaube mittlerweile wirklich, dass so die Inhalte besser zur Geltung kommen.

Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen: Dringender Handlungsbedarf im Kongo

Posted by andrea
24. November 2008 - 23:32

Am 25. November ist der internationale Tag gegen Gewalt an Frauen. diestandard hat dem Thema ein umfangreiches, informatives Special gewidmet.
Ein Thema möchte ich - gespickt mit vielen Links - herausgreifen, weil es mich besonders betroffen macht. Im Kongo wird laut vielfachen Berichten von Hilfsorganisationen (CARE, Ärzte ohne Grenzen, Caritas, ...) und auch Amnesty International Vergewaltigung systematisch als Mittel der Kriegsführung eingesetzt. Das ist leider nichts Neues, Vergewaltigung ist eine sachlogische Begleiterscheinung von Krieg. Der UN-Sicherheitsrat stuft seit Juni 2008 Gewalt gegen Frauen als "Kriegstaktik" ein. Seit dem Krieg in Jugoslawien wurde Vergewaltung im Krieg immer mehr zum öffentlichen Thema - gerade auch dank Medica Mondiale, deren Gründerin Monika Hauser jüngst den alternativen Nobelpreis erhalten hat.
Am Beispiel Kongo wird für mich deutlich, dass Hilfsprojekte sehr wichtig sind, es ein mehr an konkreter Unterstützung braucht - aber das alleine ist zuwenig. Dieser schon Jahre anhaltende Konflikt hat seine Ursachen in den wirtschaftlichen Interessen der kapitalistischen Zentren in der Region. Da ist ein gutes Geschäft zu machen, von der Ausbeutung der Rohstoffe (dazu z.B. die Klage des Treibacher Konzerns gegen Gerald Oberansmayr von der Werkstatt Frieden und Solidarität) bis zum Rüstungsexport. So funktioniert die kapitalistische Logik eben. Wenn wir ein Ende der "Kriegstaktik" Vergewaltigung wollen, müssen wir auch ein Ende des Krieges, ein Ende der kapitalistischen Ausbeutung weiter Regionen dieser Welt fordern!

Das letzte Abendmahl in Lego

Posted by andrea
23. November 2008 - 19:04

Als Lego-Fan (mit viel zuwenig Gelegenheiten ...), Kulturarbeiterin und Theologin ist diese auch noch hervorragend fotografierte Bastelei von udronotto auf flickr für mich besonders spannend (via Mozarella): Das bekannte Motiv des letzen Abendmahls von Leonardo da Vinci.
Aber auch die anderen Arbeiten können sich sehen lassen!

Live Stream zur Veranstaltung "freiheit und prekarität"

Posted by andrea
20. November 2008 - 14:44

Heute habe ich erfahren, dass die Veranstaltung "freiheit und prekarität", die ich schon in diesem Blogeintrag angekündigt habe, auch gestreamt wird.
Alle, die nicht LIVE dabei sein können haben die Möglichkeit die öffentlichen Teile des Vernetzungstags und Symposiums für kulturschaffende Frauen via LIVE - Stream mitzuverfolgen: http://www.fro.at:8008/prek

Öffentliche Teile (ohne Diskussionen!):
Freitag, 21. November 2008 - Bundesvernetzung von Frauen in Kunst und Kultur http://www.frauenkultur.at/

~ 10.00 Uhr Begrüßung und Eröffnung

Studie zur sozialen Lage der KünstlerInnen endlich offiziell veröffentlicht

Posted by andrea
19. November 2008 - 17:42

Studie BMUKK 2Die IG Bildende Kunst informiert, dass die bislang nur inoffiziell bekannte Studie des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur zur sozialen Lage der KünstlerInnen in Österreich nun auch offiziell präsentiert wurde. Sie kann im Web als Kurz- und Langfassung heruntergeladen werden. Vor den Neuwahlen hatte die Regierung wenig Interesse, diese unerfreulichen Fakten zu publizieren.

Fotografie zum Thema Altern: "Day with my father" von Philipp Toledano

Posted by andrea
19. November 2008 - 0:24

Passend zum heutigem Kreuz und Quer zum Thema Altern habe ich via TheJunction die Fotoarbeiten von Philipp Toledano entdeckt. Der Fotograf hat ein Foto-Tagebuch seines 98jährigen Vaters erstellt. Beindruckend und berührend!

Die anderen Arbeiten dieses Künstlers sind auch sehr spannend und lassen genauso wie dieses Projekt viel Raum zum Fragen.

Das Turbokapitalisums Reparatur-Kit - Video

Posted by andrea
17. November 2008 - 2:01

Wieder von den MacherInnen von extra3 / Die Neue Unterschicht - diesmal zum Thema Finanzkrise. Wie es den Steuermilliarden ergeht. Anschauen!

Das Kulturressort wieder in ÖVP-Hand? Mir graut ...

Posted by andrea
16. November 2008 - 18:18

Im Österreich-Blog der Zeit gibt es Gerüchte aus den Koalitonsverhandlungen (entdeckt via Kellerabteil). Die SPÖ will angeblich die Ressort Kultur und Bildung an die ÖVP abtreten. Na - dankeschön. Da können wir uns ja dann wieder auf einiges gefasst machen - auch wenn die Kulturszene im Widerstand schon in Übung ist.