Kulturhauptstadt Linz 2009: Kulturalisierung von Politik

Posted by andrea
8. November 2008 - 12:30


Linz wird 2009 Kulturhauptstadt Europas sein. Am Profil dieses „Kulturprojekts“ wird deutlich, worum es der Politik der EU damit geht: Standortpolitik mit „weichen“ Themen, Ideologieproduktion und -verbreitung über unverdächtige Kulturevents. Die lokale, regionale und nationale Politik sind Erfüllungsgehilfinnen, denn je 20 Mio. Euro des Kulturhauptstadtbudgets kommen von Bund, Land Oberöstereich und Stadt Linz, der EU-Anteil ist marginal.

Nein, es ist keine platte EU-Propaganda-Veranstaltung, die da 2009 geplant ist. Das wäre zu augenfällig. Es ist vielmehr neoliberal inspiriertes Sickerwissen, dass da möglichst breit gestreut wird und sowohl bei lokalen BewohnerInnen wie TouristInnen wirken soll. Auf der Agenda steht dabei allen voran, dass sich kulturelle und künstlerische Aktivitäten wirtschaftlich rechnen müssen. Der faktische Ausschluss lokaler kritischer unabhängiger Kulturszenen (und selbst so renommierter Einrichtungen wie Kunstuniversität, Theater Phönix, Stadtwerkstatt, ....) stellt das sicher – und das obwohl Linz mit dem partizipativ entwickelten Kulturentwicklungsplan1 ganz andere Schwerpunktsetzungen verbal verkündet und auf das lokale Potential setzt.

Unabhängige Initiativen und lokale KünstlerInnen müssen sich seitens des 09-Intendanten Martin Heller anhören, sie haben keine Qualität zu bieten und seien überhaupt nicht wirklich innovativ. Damit wird ein Qualitätsbegriff in Kunst und Kultur in Umlauf gebracht, der wenig mit einem aktuellen Kunstdiskurs, aber viel mit dem Motto der Wirtschaftskammer „Gehts der Wirtschaft gut, gehts den Menschen gut“ zu tun hat. Das „Europäische“ dieser Politik ist nicht, dass das Kulturhauptstadtprojekt für eine bessere, nachhaltig wirkende internationale Vernetzung der lokalen Szenen genutzt wird, sondern der Versuch, Linz über den Faktor Kultur als Standort zu profilieren. Dafür eignet sich Kunst und Kultur besonders gut. Nicht nur, dass die repräsentativen Teile der Linzer Kulturlandschaft ausgebaut werden (AEC-Erweiterung, Bau des Südflügel des Linzer Schlosses, Behüschung der Linzer Innenstadt, ....), Kunst und Kultur muss auch als Rolemodel für die prekären Arbeitsverhältnisse der Zukunft herhalten. Im Kunst- und Kulturbereich gab es kaum einmal ein so genanntes „Normalarbeitsverhältnis“, künstlerische Arbeit und die projektbezogene Struktur dieses Sektors bedingen andere Formen des Arbeitens – gerade in Hinblick auf persönliche Identifikation mit der eigenen Arbeit, Vermischen von Arbeits- und Privatzeit und das Fehlen sozialer Sicherheit. Das Kulturhauptstadtprojekt leistet einen nicht unwesentlichen Beitrag dazu, mit den allzeit willigen und flexiblen Kulturschaffenden soziale Sicherungsmodelle auch in anderen Bereichen der Gesellschaft auszuhebeln2. Gerne wird in diesem Zusammenhang dann von der Kulturwirtschaft gesprochen und ein neues Arbeitsmarktpotential verheißen, obwohl niemand so genau weiss, was damit wirklich gemeint ist. Ein wahrhaft zweifelhaftes Vorbild für Europa!

Nun wird mir manche/r entgegenhalten, dass es ja auch kritische, künstlerisch und kulturelle spannende Projekte der Kulturhauptstadt gibt. Das ist auch sicherlich richtig, ich denke da nur an die von Social Impact organisierte Subversiv-Messe im Mai 20093 oder das Crossing Europe Film Festival Linz, das mit Linz09 eine Kooperation hat. Dass sich hier die ProjektbetreiberInnen arrangiert haben (bzw. arrangieren mussten), ist verständlich, denn der Kampf um Kulturförderungen ist hart – aber ich denke: Wenige kritische Projekte ändern nicht das Gesamtbild, sondern vielmehr tragen sie zur Suggestion von Vielfalt4 bei – genau etwas, was so ein Projekt wie Kulturhauptstadt braucht, um nicht als platte Propaganda für Neoliberalismus unter dem Label „EU“ wahrgenommen zu werden. Deutlicher wird diese Strategie schon bei einem von Linz09 selbst organisierten Projekt: Bei „Demokratie ist Kultur!“ heißt es „Linz09 erklärt den Wahlkampf 2009 zum Kulturereignis und stellt ihn unter europäische Beobachtung“5. Wenn ich mit der notwendigen Distanz lese, stelle ich fest, dass hier ehrlicherweise auf den Punkt gebracht wird, was Kulturalisierung der Politik heißt: Es wird nicht mehr über die harten Fakten, über die Verteilung gesellschaftlicher Ressourcen verhandelt, sondern die Massen werden über Scheingefechte in der kulturellen Sphäre unterhalten – und damit ruhig gehalten. Die Folgen einer solchen Strategie zeigten sich bei den letzten Wahlen mit einem massiven Erfolg rechtspopulistischer Parteien.

Widerstand regt sich: Viele lokale Kulturschaffende wissen um die gefährliche Gratwanderung zwischen Affirmation, Subversion und Subvention. Zeitgenössische Kulturinitiativen setzen auch in schwierigen 09-Zeiten wichtige Impulse für eine demokratische Weiterentwicklung der lokalen und regionalen Kulturlandschaft – das nicht zuletzt mit dem Blick auf Linz 2010, denn im Gegensatz zu den 09-Managern ala Martin Heller werden sie auch dann noch hier leben und arbeiten. So meint Klemens Pilsl (Kulturverein KAPU) in der gemeinsamen Stellungnahme der freien Szene „Maschine brennt“ „Nachhaltigkeit heißt im Konkreten, dass die Kulturpolitik und die Gesellschaft in Strukturen für Kultur investieren, in Bildung für Menschen, die Kulturarbeit leisten und auch in Kultur- und Kunstvermittlung sowie Know-How investieren, dass auch die Bereitschaft in der Bevölkerung gefördert wird, sich damit auseinander zu setzen“6. Genau das ist nötig, genau darum gilt es immer wieder zu ringen!

1 Beschluß des Linzer Gemeinderats im Jahr 2000
2 vgl. Koweindl, Daniela, Armutsfalle Kunst, in: KUPF-Zeitung, 127/08, S.8 - über eine aktuelle vom BMUKK unter Verschluss gehaltene Studie zur sozialen Lage der KünstlerInnen
3 http://subversivmesse.net/
4 Pierre Bourdieu hat diese Strategie in „Über das Fernsehen“ hervorragend analysiert
5 http://www.linz09.at/de/detailseite/programm/programm/ankuendigungen09/1...
6 http://www.servus.at/FREIE-SZENE/main/maschinebrennt09.html

Erscheint in guernica - Zeitschrift der Werkstatt Frieden und Solidarität
Foto: Ralph Aichinger

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