Theologie

Mitgehangen, mitgefangen - zur Erbsünde der Kirche

Posted by andrea
27. März 2010 - 19:51

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Ich merke immer mehr, dass ich es in meiner Wut und meiner Sprachlosigkeit immer mehr brauche, mich dem Thema sexualisierte Gewalt in der Kirche  in theologischer Weise anzunähern. Interessant, dass gerade die Tradition der Kirche da Beschreibungsmuster bereithält, die der Sache meiner Meinung nach mehr gerecht werden als nicht-religiöses Sprechen über das eigentlich Unfassbare. Offenbar stimmt die Rede von geronnenem Wissen.

400px-B_Escorial_18Eine solche Rede ist die von "Erbsünde". Dieser Begriff ist vieldeutig und höchst missverständlich, denn es gibt einen Traditionsstrang vom Kirchenvater Augustinus her, wo der Mensch als sündig aufgrund seiner Zeugung durch sexuelle Handlungen beginnend bei Adam und Eva gesehen wird. Diese Tradition ist es auch, dass ganz erheblich dazu beigetragen hat, dass Kirche lange Sexualität verteufelt, tabuisiert hat und es in manchen Bereichen noch immer tut. - Etwas, dass meiner Meinung nach ein Teil des Problems ist, denn die sexualisierte Gewalt in der Kirche ist nicht nur ein missachtenswertes Vergehen an Kindern durch einzelne Menschen, sondern eben auch ein strukturelles Problem der Institution Kirche.  


Und doch: Es gibt ein Denkens über den Begriff "Erbsünde", die für mich meine aktuelle Situation sehr gut zum Ausdruck bringt. Fernab von irgendwelchen genetischen Vererbungen ist es doch so, das wir Menschen schon hineingeboren werden in einer Welt, die nicht nur gut ist, sondern strukturelle Ungerechtigkeit, Ausschluss, Machtmissbrauch, Egoismus ist die Regel - im kleinen wie im globalen. Denke ich nur an mein Konsumverhalten, perpetuiere ich tagtäglich durch das, was ich kaufe und esse diese Ungerechtigkeitsverhältnisse - selbst dann, wenn ich mich bemühe vermehrt Fair Tratte- und biologische Produkte zu kaufen. Ich kann nicht wirklich aussteigen aus dem Kreislauf der Ungerechtigkeit. Meine Freiheit ist beschränkt. Diese Situation meint der Begriff "Erbsünde" oder auch die Rede von "struktureller Sünde", die auch Eingang ins II. Vatikanische Konzil, den Aufbruch der Kirche in den 1960er-Jahren, gefunden hat. 

Soviel kann ick jar nich fressen, wie ich kotzen möchte

Posted by andrea
19. März 2010 - 18:25

[Erstveröffentichung auf ThemaTisch - dort kann auch kommentiert werden, was wegen Spamproblemen noch immer hier nicht geht]

"Soviel kann ick jar nich fressen, wie ich kotzen möchte" sagte Max Liebermann angesichts von Nazi-Fackelzügen durch das Brandenburger Tor, vor dem ich letzte Woche gestanden bin, im Jahr 1933. Dieser Spruch geht mir seitdem nicht aus dem Sinn, auch wenn jeder Vergleich unangemessen ist. Immer wieder muss ich "Soviel kann ick jar nich fressen, wie ich kotzen möchte" denken, wenn mir der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche in den Sinn kommt.

Exkursion nach Ostdeutschland zu den Stätten der Reformation

Posted by andrea
11. Juli 2009 - 22:29

Anfang Juli 2009 war ich mit der Uni auf Exkursion in Ostdeutschland, es ging zu den Stätten der Reformation und wir Mitfahrende können uns wohl jetzt zu den best informierten katholischen Theologiestudierenden zu diesem Thema rechnen. Es war echt superanstregend, aber spannend. Besonders interessant habe ich die Gespräche mit Wissenschaftlern und Bischöfen (leider allesamt nur Männer) gefunden, die Einblick in die Situation der christlichen Kirchen in Ostdeutschland gaben, wo etwa 80% der Menschen konfessionslos sind. Klingt jetzt für Österreicher_innen ungewöhnlich so eine Zahl, aber es war im Gegensatz zu manchen Erwartungen ermutigend und anregend, denn alle unsere Gesprächspartner strahlten Optimismus und Kreativität im Umgang mit der Situation aus.

Ich habe natürlich auch fotografiert, die Fotos sind auf Flickr zu finden (ich brauch' dringend eine bessere Kamera!). Da oben ist übrigens Katharina Luther, geborene Bora, abgebildet, ein Bildnis aus Torgau.

Mitschriften theologische Vorlesungen III

Posted by andrea
19. Juni 2009 - 15:15

UPDATE: Nun alle meine Mitschriften aus dem Sommersemester 2009 hier.

  • Gruber / Grammatik theologischer Rede (Fundamentaltheologie III)

  • Gruber / Zeit und Ewigkeit (Spezialthemen Dogmatik)
  • Boelderl / Heidegger (Metaphysik III)
  • Sauer / Religionskritik 19. und 20. Jahrhundert (Fundmentaltheologie II)

Grammatik theologischer Rede und Metaphysik III ist leider ziemlich unvollständig, ich konnte da nur wenig dort sein, die anderen zwei sind besser, fast vollständig. Aber vielleicht ist es trotzdem jemandem hilfreich. Und: Das bei den Mitschriften aus den vorigen Semestern Gesagte gilt auf hier.

Twitter-Rekordversuch von evangelisch.de

Posted by andrea
18. Mai 2009 - 23:49

Einen ziemlich coolen Rekordversuch wagt das neue deutsche Portal evangelisch.de: Sie wollen es schaffen, dass im Rahmen des diesjährigen evangelischen Kirchentags im Bremen von 20.5. bis 31.05.2009, 24 Uhr die gesamte Bibel in den Worten der Twitter-Nutzer_innen zusammengefasst wird.
Informationen und Anmeldung finden sich unter http://rekordversuch.evangelisch.de/

Und einen Werbespot gibt es auch:

Ich bin schon eine Weile angemeldet und gespannt, welche Bibelstelle ich bekommen werde.

Ich habe einen neuen Job ...

Posted by andrea
29. April 2009 - 17:03

Manche haben es schon mitgekriegt, aber da es jetzt ganz offiziell ist: Ich habe einen neuen Job. Ab Mai 2009 bin ich für die Katholische Aktion der Katholischen Kirche in Oberösterreich zuständig eine neue Online-Community ThemaTisch.at (die Domain verweist einstweilen noch auf die Homepage der Katholischen Kirche in Oberösterreich) aufzubauen. Inhaltlich soll es da um gesellschaftspolitische Themen gehen, die einerseits für Menschen von heute relevant sind und andererseits auch innerhalb der Katholischen Aktion bearbeitet werden, z.B. Sozialpolitik, Ökologie, Frauen-Männer, Entwicklungspolitik, ... Ausgewählte Veranstaltungen ergänzen die Online-Aktivitäten offline und ermöglichen es, dass Menschen auch persönlich in Kontakt kommen. Denn bei aller Kommunikation, die übers Internet möglich ist, ist schon auch klar, dass das Internet persönliche, zwischenmenschliche Kontakte nur ergänzen, aber nicht ersetzen kann.

Also ein ambitioniertes Projekt, dass noch ganz am Anfang steht. Einstweilen gibt es mal einen Twitter-Account, an der technischen Lösung einer Homebase für das Projekt wird gerade gearbeitet. Heute habe mal mein Büro bezogen, nette KollegInnen und andere MitarbeiterInnen im Diözesanhaus kennengelernt und mich einfach mal orientiert, was da auf mich zukommt. Persönlich freue ich mich auf sehr auf die neue Tätigkeit. Sie verbindet in besonderer Weise mein Interesse und meine Freude am Web 2.0 mit der christlichen Theologie, so wie ich sie verstehe: weltoffen, engagiert, kritisch, einfach in der Welt, bei den Menschen - denn von Gott können wir nur reden, wenn wir zuallererst vom Menschen reden.

Zum Verhältnis von Kirche und Staat

Posted by andrea
27. April 2009 - 22:28

Heute war ich auf einer Diskussionsveranstaltung der Linzer VHS zum Thema UNZERTRENNLICH?
Zum Verhältnis von Kirche und Staat
. Anlass der Debatte war die im Herbst 2008 geführte Diskussion um Kreuze in Kindergärten der Stadt Linz, Ziel war sich über das Verhältnis von Kirche und Staat differenziert auseinanderzusetzen. Das ist meiner Meinung nach nur teilweise gelungen, allzuviel Zeit ging für Polemik mit alten Argumenten drauf - oder eher alten Meinungen. Denn: Was ohne Argumente geglaubt wird, kann auch mit Argumenten nicht wiederlegt werden. So schwanke die Diskussion hin und her zwischen differenzierten Beiträgen und oft gehörten Plattheiten.

Bezeichnend für solche Diskussionen ist auch, dass es keinen "neutralen" Standpunkt gibt. Selbst die Position von Univ.-Prof. Dr. Richard Potz vom Institut für Rechtsphilophie der Uni Wien, die eher eine "Mitte-Position" einnahm, ist zumindest mir deutlich geworden. Offenbar ist Religion doch etwas, was uns alle unbedingt angeht (Paul Tillich).

Das Pfarrpraktikum geht zu Ende mit Gottesdiensten und Predigten: Übers Zweifeln und Verzweifeln angesichts der Wirtschaftskrise

Posted by andrea
18. April 2009 - 21:54

Als Theologiestudentin absolvierte ich von Februar bis April 2009 ein Praktikum in der Pfarre Linz-Ebelsberg, das nun langsam zu Ende geht. Meine Twitter-Follower_innen habe davon ja sowieso ab und zu schon etwas mitbekommen. Sinn dieses Praktikums ist es, einen ersten Einblick in die Arbeitbereiche einen Pfarre zu bekommen und die Tätigkeiten der hauptamtlichen PfarrmitarbeiterInnen in der Praxis mitzubekommen. Damit ist das auch eine gute Möglichkeit, für sich mit einer guten Grundlage zu entscheiden, ob Pfarrpastoral ein möglicher Arbeitsbereich wäre. Wer sich aber dann nach Studienabschluss der Theologie für die Arbeit in einer Pfarre entscheidet, hat dann aber ein ganzes einführendes Pastoraljahr.

Zum Abschluss meines Praktikums habe ich - mit Unterstützung der Pastoralassistentin Angelika Paulitsch, meiner Praktikumsbegleiterin - die drei Wochenende-Gottesdienste vorbereitet. Und ich habe auch die Aufgabe, im Rahmen der Gottesdienste zu predigen bzw. eine Ansprache zu halten (weil LaientheologInnen eigentlich in der Diözese Linz seit einer Weile nicht mehr predigen dürfen). Heute habe auch erstmal liturgische Kleidung, eine Tunika, angehabt, welche in der Pfarre Ebelsberg normalerweise die Kommunionhelfer_innen tragen. Das hat schon was!

Die Predigt bzw. Ansprache dokumentiere ich hier. Wieder mal eine kurze Erklärung für alle, die nicht so mit solchen Dingen vertraut sind: Eine Predigt bezieht sich immer auf einen der Texte in der Bibel, die im Gotttesdienst vorgetragen werden, da habe ich mich für Joh 20, 19-31 entschieden, eine Predigt hat aber durchaus aktuellen Bezug und Bezug zur konkreten Gottesdienstgemeinde.

Frohe Ostern!

Posted by andrea
12. April 2009 - 10:32

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Ich wünsche Euch allen Frohe Ostern und möchte das mit dem Glaubensbekenntnis von Dietrich Bonhoeffer tun, welches ich heute im evangelischen Radiogottesdienst auf Ö1 gehört habe. Das Bildchen habe ich via Sammelmappe entdeckt.

Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.
Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.
In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.
Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.

Das Zweite Vatikanische Konzil

Posted by andrea
30. März 2009 - 21:16

Stefan Silber hat eine empfehlenswerte, informative Präsentation zum Zweiten Vatikanischen Konzil (1962 - 1965) erstellt. Er zitiert den Konzilstheologen Karl Rahner: "Der Anfang eines Anfangs", die Wende der katholischen Kirche hin zum Menschen und zur heutigen Welt. Umso bedenklicher ist es, dass die Inhalte des Zweiten Vatikanischen Konzils heute immer wieder in Frage gestellt werden. Die Debatte um die Piusbruderschaft ist ja noch nicht einmal beendet. Es gibt darum eine (auch von mir schon unterschriebene) Petition, die die uneingeschränkte Anerkennung des Konzils einfordert. Die umfangreichen Dokumente des Konzils sind beim Vatikan im Volltext abrufbar.